Das Teleskop Celestron Nexstar SLT 102

Klein anfangen, ...

Wie viele haben mir davon abgeraten! Zu viel des Preises fließe in die Goto-Elektronik, zu wenig in die Optik ein. Zu wacklig sei das Stativ. Zu schlecht die mitgelieferten Okulare. Und außerdem könne man mit einer azimutalen Montierung keine Astrofotografie betreiben, weil sich dort das Bild verdreht. Aber alle mir angebotenen Alternativen liefen schnell auf ein bis mehrere tausend Euro hinaus, da haben sich bei mir die Augen verdreht! Klar, wenn ich mehr Geld ausgebe, bekomme ich im Allgemeinen auch mehr dafür. Aber Leute, ich bin Anfänger! Ich will Erfahrungen sammeln, das heißt, ich will Fehler machen und daraus lernen, ich will klein anfangen und dann wachsen - ich weiß ja noch nicht einmal, ob ich überhaupt bei diesem Hobby bleibe.

Vor dem ersten Teleskop hatte ich das Sternengucken mit einem Fernglas auf einem Stativ begonnen. Damit habe ich zum erstenmal mit eigenen Augen die vier Galileischen Monde des Jupiters, den Goldenen Henkel auf dem Mond, den Orionnebel und die Andromeda-Galaxie gesehen. Wer sich am Himmel bereits bestens auskennt und möglichst tief ins Weltall schauen will, der sucht natürlich nach einem Teleskop mit möglichst großer Öffnung und einfacher Montierung und wird immer zu einem Dobson greifen. Zwar hatte ich durch das Beobachten mit dem Fernglas an Orientierung am nächtlichen Himmel gewonnen, aber ich suchte doch nach einem Gerät, das mir den Himmel erklärt und mich sowohl zu einem gesuchten Objekt am Himmel führt, als auch ein beliebiges Objekt identifiziert. Deshalb wollte ich unbedingt, dass mein erstes Teleskop zwar preisgünstig ist, aber über eine automatische Goto-Montierung verfügt.

In der Nexstar-Serie der Firma Celestron bin ich dabei fündig geworden. Die azimutale, einseitige Gabelmontierung wird über einen Handcontroller gesteuert und läßt sich auch an einen PC anschließen. Celestron bietet das Nexstar-SLT mit drei verschiedenen Teleskoptypen an, die alle ihre Vor- und Nachteile haben: Linsenteleskope (Refraktoren) bieten den größten Kontrast, aber in dieser Preisklasse haben sie grundsätzlich einen Farbfehler an hellen Kanten. Newton-Spiegelteleskope (Reflektoren) sind bei gleichem Preis lichtstärker, müssen aber aufwendig justiert werden und können ganz schön sperrig werden. Maksutov-Cassegrains mit Linsen und Spiegeln sind zwar lichtstark und kompakt gebaut, aber für ihre aufwendige Konstruktion sollte man dann schon richtig investieren. Ich habe meine Entscheidung für den Refraktor SLT 102 nicht bereut, würde aber gerne auch den Newton und ein MAK mal ausprobieren.

Ich habe mir das Celestron Nexstar SLT 102 bei Amazon für 318,- € gebraucht gekauft, also zum halben Listenpreis. Beim ersten Durchblick bekam ich einen Schreck: Es war unmöglich, das Bild scharf zu stellen. Aber ein Linsenteleskop ist seit Galileos Zeiten simpel aufgebaut, im Prinzip besteht es aus zwei Linsengruppen, einer vorne am Objektiv, einer zweiten im Okular. Die vordere Linse klapperte frei herum, irgendwie hatte sich die Fassung gelockert. Mit viel Gefühl zog ich sie an, aber nur fest (denn nach fest kommt lose), und damit war der Blick zum Himmel klar und scharf. Hoffentlich waren die Vorbesitzer meines Teleskops nicht daran verzweifelt (muß wohl beim Transport passiert sein, sonst hätten sie es ja ganz sicher nicht gebraucht verkauft).

Das Aufbauen des Teleskops ist wirklich einfach. Alle Elemente lassen sich leicht zusammensetzen und die großen Schrauben mit der Hand festziehen. Das ganze Teleskop läßt sich gut transportieren, ist leicht zu tragen und leicht wieder zusammenzuschieben. Das Stahlstativ steht sehr fest und ruhig. Der Okularauszug ist allerdings eher einfach zu nennen, und mir etwas zu schwergängig. Aber ein wirklich guter Okularauszug kostet nun mal doppelt soviel wie mein kleines Teleskop. Wenn ich den Fokus verändert habe, schwingt das Teleskop ein paar Sekunden nach. Die Ursache liegt eindeutig im Bereich der Gabelmontierung, aber auch damit kann ich leben. Nach dem ersten Aufstellen justierte ich die Ausrichtung mit Hilfe dreier heller Sterne. Danach wählte ich auf dem Handcontroller den Jupiter aus, das Teleskop setzte sich geheimnisvoll in Bewegung, fuhr vor und nochmal zurück, und voilà: Jupiter thronte in seiner vollen Schönheit mitten im Blickfeld des Okulars. Ich selbst thronte mitten in der Stadt, und dennoch konnte ich mit dem 9mm-Okular vier Wolkenbänder auf Jupiter ausmachen. Das hatte ich noch nie gesehen!

Am zweiten Abend bekam ich dann einen Schreck: Es klappte gar nichts mehr. Das Teleskop ließ sich nicht justieren, entweder es konnte mit meinen ausgewählten Sternen nichts anfangen, oder es zeigte danach irgendwohin, aber ganz sicher nicht auf den Orionnebel. Aber viele Möglichkeiten, etwas falschzumachen, hat man beim Nexstar eigentlich nicht. Ich stellte fest, dass ich das Ausrichten des Stativs nicht genügend ernst genommen hatte. Genau dafür ist im Stativ eine kleine Dosenlibelle eingelassen und deren Luftblase sollte schon innerhalb des Kreises landen. Kaum machte ich es richtig, hat es funktioniert!

langsam wachsen, ...

Wow, der Mond! Sehr groß, sehr nah, und sehr hell! So hell, dass mir nach kurzer Zeit die Augen tränen. Entweder man beobachtet den Mond oder alles andere, denn wenn man den Mond beobachtet, ist eine Dunkeladaption der Augen nicht notwendig und auch nicht mehr möglich. Um das helle Mondlicht zu reduzieren, benötigt man farbneutrale Filter, die gibt es in verschiedenen Stufen. Perfekt sein soll die Kombination aus zwei Polfiltern, die man zueinander verdrehen kann. So wird das Licht in einem weiten Bereich stufenlos gedimmt. Wenn ein Polfilter am Okular angebracht wird und das zweite irgendwo im Strahlengang davor, z.B. am Zenitspiegel, kann die Helligkeit durch bloßes Drehen des Okulars reguliert werden. Zwei gute Polarisationsfilter der Firma Baader Planetarium kosten je ca. 38,- € und stehen auf meiner Wunschliste. Um sich auf dem Mond zu orientieren, gibt es einige sehr gute Literatur:

Die Sonne: Wenn Sie mit einem Fernglas oder Teleskop ungeschützt in die Sonne schauen, sind Sie im Bruchteil einer Sekunde blind - für immer! Halten Sie Kinder davon fern!

Die Sonne vergisst man leicht, wenn man an ein Teleskop denkt. Dabei ist sie der Stern, der uns am nächsten steht, und dem alles auf der Erde sein Leben verdankt. Es gibt ein vorgefertigtes Sonnenfilter der Firma Baader Planetarium (ASSF 80), das für das SLT 102 passen sollte, für ca. 50,- €. Ich werde mir ein Sonnenfilter selbst basteln, die Filterfolie dafür müssen Sie aber unbedingt (!) kaufen. Die günstigste Variante für das SLT 102 ist eine Folie von 20 * 20 cm für ca. 15,- € plus Versand. Mit einem Sonnenfilter sollen sich Sonnenflecken beobachten lassen. Für die Beobachtung von Protuberanzen und Granulation sind dann noch wesentlich teurere Filter notwendig. Auch für die Sonnenbeobachtung gibt es gute Literatur:

Merkur: Es heißt, der berühmte Astronom Nikolaus Kopernikus habe nie in seinem Leben den Merkur gesehen. In ein paar Wochen am 9. Mai 2016 wird Merkur von der Erde aus gesehen vor der Sonnenscheibe vorüberwandern. Dann werde ich mit meinem kleinen Teleskop und meinem selbstgebastelten Sonnenfilter bereit stehen, in meinem Leben den Merkur zu sehen.

Die Planeten: Wenn Sie in einem kleinen Teleskop wie einem Nexstar einen Planeten sehen und dann enttäuscht sind, haben Sie etwas falsch verstanden: Um atemberaubend farbenfrohe und detailreiche Planetenbilder zu sehen, kaufen Sie sich am Besten ein Buch mit Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops und der Planetensonden. Ihr Teleskop in ihrem Garten aber ermöglicht es Ihnen persönlich, einen hellen Fleck am Himmel zu finden, als einen anderen Planeten unseres Sonnensystems zu erkennen und ihn mit Ihren eigenen Augen zu sehen. Ihr Teleskop ist ihre Tür zum Weltall, und dabei geht es nicht darum, so viel wie möglich zu bekommen, sondern dass Sie durch diese Tür treten, den Saturn mit eigenen Augen am Himmel stehen sehen und durch das Teleskop seinen Ring erkennen.

Im Prinzip können Sie alle acht Planeten und sechs ihrer Monde mit den kleinen Nexstar-Teleskopen zu sehen bekommen. Bei Uranus und Neptun müssen Sie aber einen sehr dunklen Himmel haben. Ich habe mir bisher nur Jupiter anschauen können und bin allein davon begeistert. Heute nachmittag bin ich etwas aus der Stadt aufs Land herausgefahren und habe mir schon einen geeigneten Beobachtungsplatz auf einem Hügel weit weg von allen Lichtquellen gesucht. Kein noch so teures Teleskop kann einen dunklen Himmel ersetzen. Sobald die Himmel klar sind, werde ich dort Mars und Saturn suchen. Um auf den Planeten Details zu erkennen, habe ich mir bereits einen Filter gekauft, den Fringe Killer der Firma Baader Planetarium. Er soll die Farbfehler eines günstigen Refraktors korrigieren. Danach werde ich mit Farbfiltern experimentieren. Mit den Nexstar-Teleskopen sollen sich die Phasen der Venus, die Polkappen und Sandstürme des Mars', die Wolkenbänder und Flecken des Jupiters, die Ringe des Saturns und die Planeten Merkur, Neptun und Uranus erkennen lassen.

Die Okulare: Das mitgelieferte 25mm-Okular ist ganz gut. Von dem mitgelieferten 9mm-Okular bin ich enttäuscht. Der Augenabstand ist sehr gering, und da ich Brillenträger bin, kann ich es eigentlich gar nicht verwenden. Natürlich habe ich wie wohl jeder Anfänger gleich zu den Okularen mit der größten Vergrößerung gegriffen. Wozu sonst hat man ein Teleskop? Aber umso stärker die Vergrößerung ist, umso schwächer wird die Lichtstärke und umso flauer und verwaschener das Bild. Rein theoretisch ist mit dem Nexstar SLT 102 eine 212-fache Vergrößerung mithilfe eines 3,5mm-Okulars möglich. Ein solches Okular von hoher Qualität und großem Augenabstand kostet allerdings mehr als das ganze Teleskop. Ich werde demnächst ein, zwei andere 9mm-Okulare ausprobieren, z.B. das TS Optics HR Planetenokular 9mm, oder das Explore Scientific Okular 8,8mm mit 82° Gesichtsfeld.

und groß rauskommen.

Das Weltall will erobert werden! Ich werde nach und nach alles ausprobieren, was mit meinem kleinen Teleskop so möglich ist. Meine Ausrüstung werde ich Stück für Stück durch höhere Qualität ersetzen, bis von dem ursprünglichen Ensemble nichts mehr übrig ist. Bis dahin werde ich noch eine Menge Fehler gemacht, eine Menge Schrecken bekommen, eine Menge Erfahrung gesammelt, und eine Menge vom Weltall gesehen haben.

Klare Himmel, wünscht Olaf Kossak aus Mölln

Foto des Teleskops Celestron Nexstar SLT 102

Foto: Celestron Deutschland

Ein kleiner achromatischer Refraktor